Bossing - Mobbing durch den Chef

Bild:©WavebreakmediaMicro-Fotolia.com Bossing durch Chef

Während über Mobbing viel geredet wird, ist das so genannte Bossing weitgehend unbekannt. Dass es so selten vorkommt, kann dafür nicht der Grund sein: In etwa 40 Prozent der Fälle geht die Schikane am Arbeitsplatz von der Chefin oder vom Chef aus. Die Bossing-Methoden sind fies und die Folgen für die Opfer oft schwerwiegend. Was meist hilft, der Jobwechsel.

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Bossing – Was ist das?
Bossing ist Mobbing durch den Boss, meist den unmittelbaren Vorgesetzten. Allerdings ist nicht jeder Rüffel vom Chef gleich Mobbing am Arbeitsplatz. Von Bossing spricht man erst, wenn ein Arbeitnehmer über längere Zeit hinweg systematisch drangsaliert wird. Dann allerdings kann das Bossing durchaus in Psychoterror ausarten, denn ein Chef sitzt natürlich am längeren Hebel und hat allerlei Möglichkeiten, Mitarbeiter zu schikanieren.


Wie es beginnt
Oft beginnt das Bossing ganz unauffällig: Eigene Kompetenzbereiche werden beschnitten oder an Kollegen vergeben, man selbst erhält andere Aufgaben, für die man eigentlich überqualifiziert ist, sodass die Chefsekretärin dann auf einmal die Ablage sortiert.

Eine andere Methode ist die systematische Überforderung durch Aufgaben, die nicht erfüllt werden können. Geht dann etwas schief, hagelt es Kritik, Abmahnungen und öffentliche Demütigungen vor den Kollegen oder Kunden.


Opfer und Täter
Ziel des Bossings ist es, das Selbstbewusstsein des Opfers zu untergraben und es psychisch mürbe zu machen. Diese Rechnung geht leider oft auf: Der permanente Druck macht sich in psychosomatischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Magenkrämpfen bemerkbar, nicht wenige Opfer von Bossing entwickeln zudem Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken.

Dass es oft Chefs mit Tendenzen zu Minderwertigkeitsgefühlen und mangelnden Führungsqualitäten sind, die zum Bossing neigen, hilft den Opfern meist wenig. Unabhängig davon kann es allerdings auch sein, dass das Bossing von der Geschäftsführung als Form der Personalplanung genutzt wird. Nicht selten geraten beim Bossing diejenigen ins Visier, die eigentlich einen besonderen Kündigungsschutz genießen und deshalb mittels Schikane zur Kündigung bewegt werden sollen.


Frauen und Männer
Unter denen, die sich gegen Bossing wehren, sind Frauen mit zwei Dritteln in der Überzahl. Das heißt allerdings nicht, dass sie die bevorzugten Opfer sind: Männer suchen lediglich später Hilfe als Frauen, oft erst dann, wenn es schon eine Abmahnung oder Versetzung gab.


Was tun gegen Bossing?
Wer sich nun fragt: "Was kann ich gegen Bossing tun?", der sollte wissen, dass Abwarten die Situation in der Regel verschlimmert. Auch für das seelische Gleichgewicht ist es meist besser, sich frühzeitig zur Wehr zu setzen.


1. Der erste Schritt ist, ein klärendes Gespräch mit dem betreffenden Vorgesetzten zu suchen. Wichtig: Sachlich bleiben!

2.
Gleichzeitig ein Tagebuch zu führen und Zeugen zu organisieren sind ebenfalls sehr nützliche Bossing-Tipps, falls sich eine weitere Auseinandersetzung nicht vermeiden lässt.


Ob der Weg zum nächsthöheren Führungsebene etwas bringt, hängt vom jeweiligen Betrieb ab. Es gibt durchaus Firmen, die sich engagieren und ein Mobbing durch Vorgesetzte nicht tolerieren wollen. Andere hingegen sehen lieber nicht so genau hin, solange sich das Fehlverhalten des Chefs nicht in den Bilanzen niederschlägt. Dass im Zweifelsfall eher dem Chef geglaubt wird als dem Bossing-Opfer, ist leider ebenfalls keine Seltenheit.


3. Unterstützung suchen
Desto wichtiger ist es, sich Unterstützung zu suchen, zum Beispiel beim Betriebsrat, der Gewerkschaft oder gegebenenfalls dem Gleichstellungsbeauftragten. Verschiedene Organisationen, beispielsweise die Kirchen, bieten auch eine Beratung für die Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz an.


Möglicherweise ist auch der Weg vor das Arbeitsgericht oder eine Klage auf Schadenersatz und Schmerzensgeld sinnvoll, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass ein solcher Schritt entscheidend zur Eskalation beiträgt und zudem sehr kräftezehrend ist. Wer gut vorbereitet ist und Beweise liefern kann, hat zwar durchaus Chancen auf Erfolg, möglicherweise kann jedoch auch ein Jobwechsel der weniger belastende Weg sein, um auf Bossing zu reagieren.





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