Ist die Freistellung für den Arztbesuch immer selbstverständlich?

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Montagmorgen im Büro, die Nase läuft, der Hals kratzt und Ihr Kopf glüht. Aber geht man jetzt wirklich sofort zum Arzt und wie steht es dann mit einer Freistellung für den Arztbesuch? Bei einer Erkältung möchte man sich selten gleich krankschreiben lassen, doch ein Besuch beim Arzt ist trotzdem oft notwendig. Doch dürfen Sie einfach während der Arbeitszeit einen Arzt aufsuchen? Und wird Ihnen diese Arbeitszeit auch bezahlt?

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Freistellung für den Arztbesuch bei Gleitzeit oder fester Arbeitszeit

Arbeiten Sie in einem Unternehmen mit Gleitzeitmodell und einer Kernarbeitszeit, das es Ihnen möglich macht, auch vor oder nach der Kernzeit den Arzt aufzusuchen. Ist dies der Fall, dann wird Ihnen die Zeit, die Sie innerhalb der Kernarbeitszeit beim Arzt verbringen, nicht als Arbeitszeit angerechnet und auch nicht bezahlt. Vielmehr kann Ihr Chef die Nacharbeit der versäumten Stunden fordern. So sah es auch das Landesarbeitsgericht Hamm, das urteilte, dass die Gleitzeit dem Arbeitnehmervor und nach der Kernarbeitszeit noch ausreichend Zeit bietet, um persönliche Termine, wie eben auch einen Arztbesuch wahrzunehmen. Was auch einleuchtet. Je freier die eigene Gestaltung der Arbeitszeiten gehandhabt werden kann, desto eher lässt sich einem Arbeitnehmer zuzumuten, einen Arzttermin außerhalb der Arbeitszeiten einzuplanen.

Anders ist es in Unternehmen ohne Gleitzeit. Die meisten Tarifverträge legen fest, dass eine Freistellung für den Arztbesuch während der Arbeitszeit lediglich bei Notfällen oder akuten Schmerzen, wie starken Zahnschmerzen, möglich ist, dann aber die Arbeitszeit bzw. die Freistellung bezahlt wird. Besonders bei Teilzeitkräften muss eine solche Dringlichkeit vorliegen, denn bei Ihnen wird davon ausgegangen, dass sie durch die geringe Arbeitszeit ihre privaten Termine auch außerhalb ihrer Arbeitszeit wahrnehmen können.


Mehr Rechte für Schwangere

Zu den Ausnahmen gehören auch Arztbesuche von werdenden Müttern. Wenn Sie also schwanger sind, können Sie Arzttermine während der Arbeitszeit wahrnehmen und erhalten diese bezahlt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Arzt Ihnen bescheinigt, dass die Untersuchung zu keinem anderen Zeitpunkt möglich war. Dies ist beispielsweise bei morgendlichen Blutuntersuchungen der Fall, zu denen Sie mit nüchternem Magen erscheinen müssen.

Bei gegebener Dringlichkeit und wenn es sich nicht um Kontrolluntersuchungen handelt, dürfen Sie also auch während der Arbeitszeit zum Arzt. Versuchen Sie aber die Möglichkeit zur Freistellung für den Arztbesuch nicht zu oft auszunutzen – dann läuft auch auf der Arbeit alles rund!



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