Fahrtkostenerstattung beim Vorstellungsgespräch?

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Wer auf der Suche nach seinem Traumjob ist, denkt sicher nicht in erster Linie an eine Fahrtkostenerstattung beim Vorstellungsgespräch. Und doch: Sitzen die potentiellen Arbeitgeber weit entfernt in einer anderen Stadt, können sich die Anfahrtkosten zu einem hübschen Sümmchen addieren. Wenn es nach dem Gesetz geht, bleiben Bewerber nicht auf seinen Kosten für die Anreise sitzen. Lädt der mögliche Arbeitgeber zum Vorstellungsgespräch ein, soll er nach § 670 BGB auch die Kosten für die Anfahrt tragen.  Ein kleines Schlupfloch hält das Gesetz jedoch für den Arbeitgeber bereit: Er kann das Recht auf Fahrtkostenerstattung ausschließen. Wie das geht und wie sie am Besten darauf reagieren können und wie Ihnen eventuell auch die Arbeitsagentur zu Ihrem Geld verhelfen kann, lesen Sie im folgenden Artikel:

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Fahrtkostenerstattung beim Vorstellungsgespräch - grundsätzlich ja


Nach § 670 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), der sich mit dem Ersatz von Aufwendungen beschäftigt, erscheint zunächst alles ganz klar.  Möchte der potentielle Arbeitgeber Sie zum Vorstellungsgespräch einladen, soll er auch für die Kosten aufkommen. Und das gilt ganz unabhängig davon, ob Sie sich auf eine Anzeige beworben oder selbst die Initiative ergriffen haben, ob Sie den Job bekommen oder erst gar nicht in die engere Wahl gekommen sind. Auch ob Sie telefonisch oder schriftlich eingeladen wurden, spielt insoweit keine Rolle. In allen Fällen steht Ihnen laut BGB die Erstattung der Fahrtkosten zu. Zumindest grundsätzlich. Denn wie so oft in der Juristerei, gibt es auch hier wieder eine dicke Ausnahme.

Warum der Arbeitgeber vielleicht doch nicht zahlen muss

Es existiert ein echtes Schlupfloch für die Arbeitgeber. Genau genommen handelt es sich schon nicht mehr nur um ein kleines Loch, sondern um eine riesengroße Pforte, durch die der Arbeitgeber bequem hindurchspazieren kann. Er kann die Fahrtkostenerstattung ganz einfach ausschließen. Allerdings muss das geschehen, noch bevor Sie zum Bewerbungsgespräch angereist sind. Immer mehr Unternehmen zeigen sich auf diese Weise „kostenbewusst“ und schließen bereits in der schriftlichen Einladung zum Bewerbungsgespräch eine Fahrtkostenerstattung ausdrücklich aus.

Ein hilfreicher Tipp: Fragen Sie noch vor der Anreise ganz freundlich, wie die Fahrtkostenerstattung beim Vorstellungsgespräch genau abgewickelt wird. Sprechen Sie im Vorfeld ab, mit welchem Verkehrsmittel Sie anreisen werden, so kann es später keine bösen Überraschungen geben.

Und noch ein Tipp: Arbeitgeber sind viel eher gewillt, ein Bahnticket zweiter Klasse zu übernehmen, als die Fahrtkostenpauschale für Pkws von 30 Cent pro Kilometer.


Wenn alle Stricke reissen: Hilfe durch die Agentur für Arbeit

Nicht verzagen, wenn Ihr zukünftiger Arbeitgeber tatsächlich nicht die Fahrtkosten übernehmen möchte. Wenden Sie sich einfach noch vor dem Bewerbungsgespräch an die Agentur für Arbeit. Bringen Sie Ihr Einladungsschreiben mit. Wenn Sie als arbeitssuchend gemeldet sind, greift Ihnen die Arbeitsagentur hilfreich unter die Arme und übernimmt die Reisekosten für den Bewerbungstermin. Das ist ein bisschen Papierschieberei, aber was macht das schon, schließlich können Sie hier Geld sparen!

Ein letzter Tipp: Aufpassen, das Ganze funktioniert nicht rückwirkend.

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