Pfusch beim Friseur und mehr – Diese Gerichtsurteile sollte Frau kennen

Bild: ©lassedesignen-Fotolia.com

Tag für Tag werden zahllose neue Gerichtsurteile gefällt. Richter haben heutzutage wirklich einen harten Job. Das Leben ist bunt und vielfältig und genau so vielfältig sind die Gründe, sich zu streiten. Wer versucht, sich über diese Masse an Urteilen einen Überblick zu verschaffen, wird verzweifeln. Das muss man zum Glück aber auch nicht. Schließlich geht es vor Gericht meist um sehr individuelle Sachverhalte, die uns persönlich – hoffentlich - so nie betreffen werden. Aber aus der Masse an Gerichtsurteilen gibt es einige, die uns Frauen direkt angehen. Und da kann es doch nicht schaden, wenn Frau von der ein oder anderen jetzt folgenden
Entscheidung bereits gehört hat.

Anzeige




1. Stilettos in hellhöriger Wohnung sind unzumutbare Lärmbelästigung

Auch wenn sich Frau in Stilettos noch so weiblich fühlt. Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, darf seinen Mitmenschen nicht auf den Nerven herumklackern, sondern muss die High Heels an der Wohnungstür ausziehen. Das gilt auf jeden Fall für Wohnungen mit Fußbodenbelag, der nicht schalldämpfend ist, wie Fliesen und Laminat. Das Gehen mit hohen Hacken sei in diesem Fall eine unzumutbare Lärmbelästigung für die Bewohner der darunter liegenden Wohnung und kein vertragsgemäßer Gebrauch mehr, so das Landgericht Hamburg (AZ 316S14/09) und weitere Gerichtsurteile.

2. Gerichtsurteile über Pfusch beim Friseur – Wann gibt es Schmerzensgeld?

Nicht immer läuft beim Friseurbesuch alles glatt. Dafür, dass der Kundin die neue Frisur nicht gefällt, muss der Friseur nicht einstehen. Anders ist der Fall nur gelagert, wenn der Figaro so sehr gepfuscht hat, dass die betroffene Person durch den misslungenen Haarschnitt sozusagen entstellt ist. Hier hat das Amtsgericht München einen Anspruch auf Schadensersatz bejaht.(AZ 173C15875/11)

Es mag noch zu verschmerzen, sein, wenn die Frisur nicht ganz den Vorstellungen entspricht, obgleich auch hier zahlreiche Gerichtsurteile eine andere Sprache sprechen. Viel schlimmere Folgen kann dagegen eine misslungene Färbung der Haare haben. Wie zum Beispiel in einem Fall, den das das Landgericht Mönchengladbach (AZ 5S59/09)  zu beurteilen hatte. Die Kundin hatte sich beim Friseur lediglich blonde Strähnen färben lassen. Nach der Haarfärbung waren zwar die Strähnchen hell, aber die behandelten Haare brachen direkt an der Kopfhaut ab. Das Gerichtsurteil bejahte einen Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.


3. Reiserücktrittsversicherung muss bei Komplikationen in der Schwangerschaft eintreten

Eine Schwangerschaft ist ja an sich ein Grund zur Freude und keine Krankheit. Anders sieht es aus, wenn plötzlich Komplikationen auftreten. Wie bei einem Ehepaar, das Mitte Februar eine Reise nach Griechenland buchte, die im Mai stattfinden sollte. Bis zum Zeitpunkt der Buchung war die Schwangerschaft der Frau völlig unauffällig verlaufen. Nach der Buchung traten Komplikationen auf, so dass das Ehepaar die Reise stornieren musste. Laut Amtsgericht München (AZ 224C32365/11) lassen solche Komplikationen die Schwangerschaft zu einer „unerwarteten schweren Erkrankung“ werden, die laut Versicherungsbedingungen ein berechtigter Grund für eine Reisestornierung ist. Die Kosten für die Urlaubsstornierung mussten von der Reiserücktrittsversicherung übernommen werden.

4. Gerichtsurteile: Schadensersatz bei nicht geschlechtsneutraler Stellenanzeige

Stellenausschreibungen müssen grundsätzlich geschlechtsneutral formuliert werden, dass soll den Arbeitgeber von Geschlechtsdiskriminierungen abhalten. Ist eine Anzeige für eine freie Stelle nur an männliche oder weibliche Bewerber gerichtet, wird eine Benachteiligung des nicht genannten Geschlechts vermutet. Mit der Konsequenz, dass jeder fachlich und persönlich geeignete Bewerber dieses anderen Geschlechts, nachdem er sich beworben hat und abgelehnt wurde, eine Entschädigung verlangen kann. Ein fehlendes „in“ kann so manchmal einige Tausend Euro wert sein. Im Prozess vor dem OLG Karlsruhe (17 U 99/10) bekam eine Rechtsanwältin auf diese Weise 13000 Euro Schadensersatz zugesprochen, nachdem sie sich auf eine eindeutig männlich formulierte Stellenanzeige „Geschäftsführer gesucht“ beworben hatte und abgelehnt wurde.

5. Brustvergrößerung wird nicht von Krankenkasse übernommen

Eine kleine Brust ist keine Krankheit, auch wenn so manche Betroffene das sicher anders sehen möchte. Das hessische Landessozialgericht (AZ L1KR152/05) hatte den Fall einer 38jährigen zu entscheiden, die nach Geburt und Abstillen ihrer Tochter eine wesentlich kleinere Brust hatte, als vor der Schwangerschaft und jetzt an psychischen Problemen litt. Nach Meinung des Gerichts liegt eine Krankheit nur vor, wenn Körperfunktionen beeinträchtigt sind oder eine schwere sichtbare Entstellung vorliegt.

Die Frage, ob etwas entstellend ist, sei aber nicht aus der Sicht des Betroffenen zu bewerten. Erst wenn ein Betroffener alle Blicke auf sich zieht und sich so nicht mehr unbefangen bewegen kann, liege eine Entstellung und damit eine Krankheit vor. Demzufolge sei eine  Brustvergrößerung auch keine Behandlung einer Krankheit, sondern schlicht und ergreifend ein kosmetischer Eingriff, den die Krankenkasse nicht übernehmen müsse. Auch erhebliche psychische Probleme aufgrund der kleinen Brustgröße änderten an dieser Bewertung nichts, so das Gerichtsurteil.

Diesen Artikel bewerten:
(1)

Was meinst du zum Thema?

comments powered by Disqus