Obst pflücken und naschen - ganz ohne eigenen Garten :-)

Bild:©Thomas Renz - Fotolia.com

Darf Frau einfach so Obst pflücken, wenn sie einen herrenlosen Obstbaum findet? Ja, eigentlich schon. Wie heißt es so schön: Wo kein Kläger, da kein Richter. Denn normalerweise darf man kein Obst am Straßenrand stibitzen. Wenn sich aber niemand beschwert, dann ist es doch nur zu schade, reifes Obst verkommen zu lassen. Das dachten sich auch die Gründer von mundraub.org.

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Mundraub - Diesen Strafbestand gibt es seit 1975 nicht mehr. Damals bezeichnete der Begriff die "Entwendung von Nahrungs- oder Genussmitteln in geringer Menge zum alsbaldigen Verbrauch". Im alltäglichen Gebrauch ist der Begriff nicht ausgestorben. Wahrscheinlich, weil er so schön bildhaft ist. Jemandem Nahrungsmittel aus dem Mund zu rauben ist nach heutigem Recht, nach § 248a StGB, Diebstahl.

Um organisierten Diebstahl im großen Stil geht es den beiden Betreibern von www.mundraub.org also. Zumindest könnten Winkeladvokaten und Paragraphenzähler die Plattform so interpretieren. In Wirklichkeit ist das Konzept von Mundraub.org genial und revolutionär. Es passt so gut in unsere Zeit wie lange keine Plattform mehr.

Überall in Deutschland, vor allem in ländlichen Gebieten, gibt es Obstbäume und Sträucher, die wild wachsen. Die Besitzer der Grundstücke kümmern sich nicht um die Ernte, haben keine Zeit oder kein Interesse. Am häufigsten finden sich herrenlose Obstbäume auf sogenannten Allmenden. Das sind Landstriche, die zu Gemeinden oder Genossenschaften gehören. Wenn zum Beispiel die Seiten einer Landstraße mit Kirsch- und Apfelbäumen bepflanzt wurden, dann gehören diese Bäumen (und auch die Früchte an den Bäumen) zur Gemeinde. Nur wer beschwert sich, wenn hier Äpfel gepflückt werden? Genau, niemand. Und hier greift das Konzept von Mundraub. Überall dort, wo man Obst kostenlos, ohne eigenen Garten, pflücken kann, können die Nutzer der Plattform einen Hinweis in der Mundräuber-Karte hinterlassen. So können noch mehr Menschen Äpfel, Birnen und Beeren pflücken.

Aber nicht nur ein möglichst breites Informationsnetz mit Tags über kostenloses Obst in ganz Deutschland und angrenzenden Ländern hatten die Begründer des Projektes im Sinn. Sie wollte auch alte Obstsorten wieder ins Gedächtnis bringen und vorhandene Ressourcen sinnvoll ausschöpfen. Die wenigsten Menschen haben einen eigenen Garten, wissen aber unbehandeltes Obst alter, deutscher Obstsorten zu schätzen. Kai Gildhorn und Daniel Nielsen gehören auch dazu. Deshalb haben sie sich auch dazu entschieden Mundraub.org als Geschäftsidee weiter zu verfolgen, nachdem das ursprüngliche Team aus fünf unerschrockenen Mundräubern Ende 2010 zerfiel.

Ein weiteres Projekt der beiden ist das Mundräuberhandbuch, das alle leidenschaftlichen Obstpflücker mit Tipps und der rechtlichen Grundlage zum Obst pflücken versorgt.

Eine geniale Idee.


Hier geht es zu Mundraub. 




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