Bossing - Jede kann es treffen

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Wenn der Chef seine Mitarbeiter mobbt, ja auch das gibt es, heißt das Bossing. Diese spezielle Form des Mobbings ist deswegen so schlimm, weil Vorgesetzter und Mitarbeiter nicht auf einer Augenhöhe sind. Sich dagegen zu wehren ist nicht leicht. Die Folgen können allerdings dramatisch sein und das Arbeiten zum Nervenkrieg machen.

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Die Katze ist aus dem Haus; die Mäuse tanzen auf den Tischen. In vielen Betrieben ist es angenehm, wenn der Chef gerade einen Außentermin hat, auf einer Schulung ist oder im Urlaub. Wenn das Klima aber von unerträglich auf entspannt umkippt, wenn die Katze aus dem Haus ist, dann läuft irgendetwas im Betrieb falsch.

Dem Verhaltensforscher Leymann zufolge schikanieren in einem guten Drittel aller Fälle Vorgesetzte ihre Untergebenen. Beim Bossing macht sich der Chef vor dem Team über einen Mitarbeiter lustig. Die fiese Katze demütigt ihren Mitarbeiter, indem sie ihm Arbeit aufbrummt, die er unmöglich schaffen kann. Der Chef unterstellt Fehler oder böse Absichten. Meist bekommen die Bossing-Opfer nur unzureichende Informationen über bestimmte Arbeitsabläufe von der Chefetage. Wenn sie ihre Arbeit dann auch nur unzureichend erledigen, wird wieder gestichelt und schikaniert. Genauso wie beim Mobbing unter Kollegen kann der Chef auch Gerüchte über sein Opfer verbreiten, die noch mehr als beim Mobbing belasten können, da der Arbeitnehmer keine Möglichkeit hat, diese richtig zu stellen. Sehr gerne setzt die fiese Katze auch ihre Maus für Aufgaben ein, die weit unter ihrer Qualifizierung liegen. So wird das Opfer in seiner Kompetenz herabgesetzt.


Wie kann Frau sich nun gegen die übermächtig scheinende Katze wehren? Intuitiv sucht das Bossing-Opfer das klärende Gespräch mit dem Chef. Doch der muss erstens gar kein offenes Ohr haben. Und zweitens kommt es oft dazu, dass sich die Situation danach nur noch verschlechtert. Es gilt also eine Stufe höher zu gehen, zum Betriebsrat oder zum Chef des Chefs. Beim Bossing sollte das Opfer Tagebuch darüber führen, welche Anfeindungen und offenen Bloßstellungen der Vorgesetzte ihm gegenüber fallen lässt. Möglichst genau aufschreiben, weil sonst verwischen die konkreten Beispiele zu einem undeutlichen Gesamteindruck. Hilfreich ist es, wenn das Bossing-Opfer Zeugen hat. Das heißt, beim Bossing ist der gute Draht zu den anderen Kollegen besonders wichtig.

Mobbing am Arbeitsplatz kann aber auch durch die Strategie Anpassung bekämpft werden. Für diese Strategie braucht das Opfer aber mindestens genauso viel Kraft wie für den offenen Konflikt. Einen Ausgleich finden, Sport treiben, mit autogenem Training Ausgeglichenheit und Ruhe lernen. Und dann ist der Mensch viel belastbarer als er denkt und kann Bossing trotzen.



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