Handy-Sucht - Mit Hilfe einer App das Nutzungsverhalten prüfen

Bild:© nenetus - Fotolia.com Handy-Sucht

Ein kleiner Spaziergang durch eine beliebige Fußgängerzone reicht bereits aus, um an eine epidemische Ausbreitung der Handy-Sucht zu glauben: Bei einer Mehrheit wird im Gehen und Stehen auf dem Smartphone herum getippt, und wenn zwei Menschen zusammen im Café sitzen, gelten die verliebten Blicke viel zu selten dem anderen und viel zu oft dem kleinen Spielzeug in der linken Hand. Wer glaubt, selbst an der Smartphone-Sucht zu leiden, findet jetzt Hilfe – in Form einer kleinen App, versteht sich.

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Ein Tor zur Welt
Mit einem Smartphone steckt nicht nur Kamera, Musik und Straßenkarte in der eigenen Hosentasche, sondern quasi die ganze Welt: Überall und jederzeit sind Informationen verfügbar, außerdem hat man ständig Zugang zu sämtlichen Facebook- und sonstigen Freunden. Da will man natürlich nichts verpassen.

Ganz abgesehen davon kann man mit einem Smartphone auch wunderbar abtauchen, wenn die Welt um einen herum gerade nicht ganz so aufregend ist. Frust? Ärger? Langeweile? Da lässt man sich doch lieber von einem Spiel ablenken – und hat damit schon den ersten Schritt zur Handy-Sucht getan.


Wann man von Handy-Sucht spricht
Wer sich fragt, ob er möglicherweise unter Smartphone-Sucht leidet, sollte nicht nur die reinen Nutzungszeiten betrachten. Viel entscheidender für die Einschätzung, ob eine Handy-Sucht vorliegt oder nicht, ist die Frage, welchen Stellenwert das Smartphone im Leben des Betroffenen einnimmt und ob er auch ohne leben kann.

Ist es möglich, bei der Arbeit, in der Uni oder in der Schule das Handy auch mal für ein paar Stunden auszuschalten, ohne nervös zu werden? Erleidet man einen mittelschweren Panikanfall, wenn das Smartphone mal kurz nicht gefunden wird? Gerade Teenager sollten sich das hin und wieder fragen, denn oft ist die Handy-Sucht bei Jugendlichen besonders ausgeprägt.


Jetzt - Eine App gegen Handy-Sucht

Dass es nun eine App gegen Handy-Sucht gibt, kann man durchaus ein bisschen ironisch finden. Bei genauerer Betrachtung jedoch liefert die App "Menthal", entwickelt von Forschern der Universität Bonn, lediglich einen Überblick über die eigene Handy-Nutzung und damit eventuell auch einen Anlass, das Nutzungsverhalten ein wenig zu hinterfragen.

Die App sammelt Verbindungsdaten des Handys und zeigt später an, wie viel Zeit sein Besitzer mit dem Smartphone verbringt und welche die häufigsten Anwendungen sind. Außerdem kann man das eigene Nutzungsverhalten mit dem der anderen vergleichen. Die Einschätzung, ob tatsächlich eine Sucht nach dem Smartphone vorliegt, bleibt dem jeweiligen Nutzer jedoch selbst überlassen, genauso wie die Aufgabe, gegebenenfalls etwas gegen die Handy-Sucht zu unternehmen.


Wo gibt es die App?
Wer seinen Umgang mit dem Handy überprüfen möchte, kann die App, die leider nur auf Android 4 oder höher läuft, aus dem Google Play Store oder unter www.menthal.org herunterladen. Die App zur Handy-Sucht ist kostenlos, allerdings liefern ihre Nutzer einen kleinen Beitrag zur Forschung: Auch die Informatiker und Psychologen der Universität Bonn nehmen nämlich Zugriff auf die Nutzungsdaten und werten diese aus – anonymisiert natürlich. Die Forscher erfahren dabei lediglich, ob und wie lange mit dem Handy telefoniert wurde, nicht jedoch, was gesagt wurde.

Ob nun mit der Menthal-App oder ohne: Hin und wieder kann es sicher nicht schaden, die eigene Handynutzung mit kritischem Blick zu betrachten und darauf zu achten, dass man das kleine Ding nicht ganz so oft in die Hand nimmt. Am besten ist es nämlich, wenn eine Handy-Sucht gar nicht erst entsteht.



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