Nebenberuflich gründen - Der sichere Einstieg in die Selbstständigkeit neben Job und Familie

Nebenberuflich gründen trotz Kids - so geht's!@maxbelchenko/Adobe-Stock

Der Traum von der eigenen Selbstständigkeit ist weit verbreitet, doch der Sprung ins kalte Wasser schreckt viele ab. Was, wenn die Kunden ausbleiben? Was, wenn das Einkommen nicht reicht? Diese Fragen sind berechtigt, und genau deshalb entscheiden sich immer mehr Frauen dafür, ihr Business zunächst nebenberuflich aufzubauen. Das bedeutet: Sicherheit im Hauptjob behalten, gleichzeitig die eigene Idee verwirklichen und Schritt für Schritt herausfinden, ob das Vorhaben wirklich trägt. Wir haben für dich die wesentlichen Punkte zusammengestellt, warum eine nebenberufliche Gründung zum Erfolg, oder aber zum Flop werden kann.

 

 

 

 

 

Was bedeutet nebenberufliche Selbstständigkeit eigentlich?

 

Wer nebenberuflich gründet, arbeitet parallel zu einem bestehenden Anstellungsverhältnis auf eigene Rechnung. Das kann als Freiberuflerin, Einzelunternehmerin oder sogar als Gesellschafterin einer kleinen UG oder GmbH geschehen. Entscheidend ist: Solange die selbstständige Tätigkeit zeitlich und wirtschaftlich eindeutig als Nebentätigkeit einzustufen ist, bleibt das soziale Netz des Hauptjobs erhalten. Als Faustregel gilt, dass die selbstständige Tätigkeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen und das Einkommen aus ihr das Hauptgehalt nicht übersteigen sollte.

 

Vorteile, die wirklich überzeugen

 

Die nebenberufliche Gründung hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem kompletten Sprung in die Selbstständigkeit: Die eigene Idee lässt sich in Ruhe testen, ohne das Leben komplett auf den Kopf zu stellen.

Konkret bedeutet das:

 

1. Finanzielles Polster: Das reguläre Gehalt bleibt, während das Business aufgebaut wird.

 

2. Risikofreies Testen: Man lernt den Markt kennen, ohne von Tag eins an unter Druck zu stehen.

 

3. Erfahrung sammeln: Buchführung, Kundenakquise, Preisgestaltung – all das lässt sich üben, bevor es wirklich ernst wird.

 

4. Familie und Alltag: Das Tempo lässt sich selbst bestimmen und flexibel auf familiäre Verpflichtungen abstimmen.

 

Die wichtigsten ersten Schritte

 

1. Den Arbeitgeber informieren – Arbeitsvertrag checken

Bevor es losgeht, lohnt sich unbedingt ein Blick in den Arbeitsvertrag. Viele Verträge enthalten Klauseln zur Nebentätigkeit, die eine Genehmigung des Arbeitgebers voraussetzen. Auch wenn Arbeitgeber eine Nebentätigkeit nur in Ausnahmefällen ablehnen dürfen, ist Transparenz hier der bessere Weg. Ein offenes Gespräch schafft Klarheit und vermeidet spätere Konflikte.

 

2. Das Gewerbe anmelden oder die freiberufliche Tätigkeit erklären

Je nach Tätigkeit wird entweder ein Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt angemeldet (Kosten: ca. 20–50 Euro) oder die freiberufliche Tätigkeit gegenüber dem Finanzamt erklärt.

Freiberuflerinnen sind zum Beispiel Ärztinnen, Rechtsanwältinnen, Journalistinnen, Designerinnen oder Therapeutinnen. Alle anderen Tätigkeiten sind in der Regel gewerblich.

 

3. Steuerliche Pflichten kennen

Als Selbstständige besteht die Pflicht, Einnahmen und Ausgaben sorgfältig zu dokumentieren und eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) zu erstellen. Wer im Vorjahr weniger als 25.000 Euro Umsatz und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 100.000 € erzielt, kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen und muss keine Umsatzsteuer ausweisen. Das vereinfacht den Start erheblich.

 

Praktische Informationen und Tools für Gründer helfen dabei, den Überblick über Buchhaltung, Steuern und rechtliche Anforderungen zu behalten.

 

Tipps rund um das Zeitmanagement

 

Neben Job, Familie und dem neuen Business bleibt wenig Zeit. Deshalb ist strukturiertes Zeitmanagement das A und O. Hier ein paar bewährte Strategien:

 

1. Feste Zeiten reservieren: Konkrete Stunden pro Woche für das Business einplanen, zum Beispiel jeden Dienstag- und Donnerstagabend von 20 bis 22 Uhr.

 

2. Aufgaben bündeln: Ähnliche Aufgaben gesammelt erledigen, statt ständig zwischen E-Mails, Social Media und inhaltlicher Arbeit hin- und herzuspringen.

 

3. Familie einbeziehen: Offen über die Pläne sprechen. Wenn alle wissen, was aufgebaut wird, ist die Unterstützung oft größer als erwartet.

 

4. Perfektionismus ablegen: Gerade am Anfang gilt: Fertig schlägt perfekt. Der erste Instagram-Post muss kein Kunstwerk sein.

 

 

Typische Fehler, die du vermeiden solltest

 

Wer nebenberuflich gründet, tappt manchmal in typische Fallen. Besser, man kennt sie schon vorher:

 

1. Keine klare Positionierung: Wer alle ansprechen will, spricht am Ende niemanden an. Eine klar definierte Zielgruppe ist entscheidend.

 

2. Preise zu niedrig ansetzen: Viele Gründerinnen unterschätzen sich selbst. Es lohnt sich, realistisch durchzurechnen, was die eigene Leistung wert ist, und was nach Abzug von Steuern und Kosten tatsächlich noch übrig bleibt.

 

3. Kein Businessplan: Auch ein kurzes, schriftliches Konzept hilft, das Vorhaben zu strukturieren und später zu prüfen, ob man auf Kurs ist. Auf der Gründerplattform des Bundesministeriums für Wirtschaft gibt es kostenlose Vorlagen und Seminare dazu.

 

4. Alles alleine machen: Ob Steuerberaterin, Online-Community oder Mentorinnen-Plattformen – Unterstützung zu suchen spart Zeit und Nerven.

 

Wer übrigens noch einen ganzheitlichen Blick auf typische Hürden bei der Selbstständigkeit für Frauen werfen möchte, findet bei uns auch dazu hilfreiche Tipps und Erfahrungswerte.

 

 

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, den Hauptjob aufzugeben?

 

Diese entscheidende Frage kommt irgendwann für alle, die wirklich durchstarten möchten. Einen universellen Zeitpunkt gibt es nicht, aber es gibt klare Signale, die zeigen, dass die Zeit reif sein könnte:

 

1. Der monatliche Umsatz deckt mindestens 80 Prozent der Fixkosten ab.

 

2. Es besteht ein finanzielles Polster für mindestens sechs Monate.

 

3. Es gibt regelmäßige Kunden oder Auftraggeber, nicht nur Einmalkontakte.

 

4. Das Business wächst trotz der nur begrenzten Zeit, die du investierst. Gleichzeitig ist spürbar, dass mehr Zeit deutlich mehr Ergebnis bringen würde.

 

Wenn diese Punkte zutreffen, ist es an der Zeit, ernsthaft über den nächsten Schritt nachzudenken. Auf dem Weg in die volle Selbstständigkeit können auch Weiterbildungen und kostenlose Kurse im Internet helfen, sich sicher und gut vorbereitet zu fühlen.

 

Klein anfangen, groß denken

 

Nebenberuflich gründen bedeutet, die eigene Zukunft in die Hand zu nehmen, ohne dabei unnötige Risiken einzugehen. Wer strukturiert vorgeht, sich die nötige Unterstützung holt und realistisch plant, legt ein Fundament, das trägt. Der Weg mag manchmal länger erscheinen als der direkte Sprung in die Vollzeit-Selbstständigkeit, doch er ist in den meisten Fällen der nachhaltigere.

 

Dazu kommt: Jede Stunde, die nebenberuflich ins eigene Business investiert wird, ist auch eine Stunde, in der man sich selbst besser kennenlernt. Man merkt, was einem liegt, was man delegieren sollte und ob die ursprüngliche Idee wirklich so trägt, wie man es sich vorgestellt hat. Diese Erkenntnisse sind Gold wert, denn sie kommen ohne den Druck, von heute auf morgen Geld verdienen zu müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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