Warum jede Figur eine Bikinifigur ist und was Body Positivity dazu beitragen kann

Sei stolz auf dich - Jeder Körper ist wunderbar© Eugenio Marongiu/Adobe-Stock

Was heißt denn eigentlich „schön“? Ein kurzer Blick auf die Schönheitsideale der letzten Jahrhunderte und schnell ist klar: Einen festen und vor allem bleibenden Standard für Schönheit gab es noch nie. Was die Gesellschaft als attraktiv und begehrenswert ansieht, wandelte sich munter über alle Epochen und Kulturen. Zum Teil mit heftigen Ausschlägen - Was für ein Stress. Bis heute hat sich an diesem wechselnden Schönheitsdiktat nichts geändert. Und wir Frauen machen eifrig mit. Aber wieso meinen immer mehr Frauen, ihren Körper optimieren zu müssen. Wieso halten sie sich selbst nicht für schön genug, so dass sich dem Risiko gefährlicher Schönheits-OPs aussetzen. Wieso zählt die äußere Schönheit für viele Frauen mehr, als die innere? Was hat Social Media damit zu tun? Und wie kann die Body-Positivity Bewegung dabei helfen, unserem Körper wieder mehr Selbstliebe und Wertschätzung entgegenzubringen?

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Wie Zeitgeist und Social Media unser Körperbild beeinflusst

Im regelmäßigen Takt der Jahre geben uns Modeindustrie und Zeitgeist vor, wie die einzig wahre Schönheit auszusehen hat und Frauen auf aller Welt geben ihr Bestes, um dem zu entsprechen. Nach der kurvigen weiblichen Sanduhrfigur von Marilyn Monroe in den 50igern, dem Magermodel Twiggy, deren dürre Gestalt in den 60igern viele junge Frauen an den Rand der Magersucht gebracht hat, dem ausgemergelten Heroin Chic der Supermodels wie der androgynen Kate Moss, den Engeln von Victoria Secret, die groß, schlank, mit langen Beinen und großen Brüsten über den Laufsteg schwebten, schwenkt das große Schönheitspendel in den letzten Jahren ganz klar in Richtung extremer Sanduhr-Figur aus.

 


Heute gilt, je krasser der Unterschied zwischen Becken und Taille, desto schöner. Wobei Schönheit auch bei diesem neuen Ideal im Auge des Betrachters liegt. Dass die Optik eines riesigen, weit ausladenden Beckens, das auf einer unnatürlich schmalen Taille thront auch ungesund und hässlich aussehen kann, wollen viele vom Zeitgeist getriebenen Frauen nicht sehen.

 

Animiert durch Reality Stars wie Kim Kardashian eifern junge Frauen dem vorgegebenen Ideal eines möglichst voluminösen Hinterteils nach. Und scheuen sich nicht, für diesen fragwürdigen Trend zum Äußersten zu gehen - und sei es auch noch so riskant. Hat die Natur sie nicht mit üppigem Popo und Wespentaille ausgestattet, nehmen immer mehr Frauen weltweit den sogenannten „Brazilian Butt Lift“, eine Eigenfett-Übertragung mit erheblichem Risiko, in Kauf. Eine von 3000 Patientinnen stirbt unter der Behandlung. Und doch ist der Schönheitswahn und der Druck auf Frauen, diesem Ideal zu genügen so groß, dass sich jährlich weltweit rund 350000 dieser Gefahr aussetzen.

 

Aber wie kann das sein? Wieso sehen immer mehr Frauen ihren Körper so kritisch, wieso meinen sie einem bestimmten Schönheitsbild genügen zu müssen? Woher kommt diese erschreckende Oberflächlichkeit, dieses Fixieren auf äußere, vergängliche Werte?

 

Schon seit vielen Jahren gaukeln uns Magazine mit Hilfe von Photoshop und anderen Bildbearbeitungs-Programmen makellose Körper und Gesichter vor. Vermeintliche Schönheitsfehler wie Pickel, Falten oder ein kleines Bäuchlein haben keinen Platz in der künstlichen Welt der Hochglanz-Magazine und werden gnadenlos weg retuschiert. Kein Wunder, dass das bei vielen Frauen auf Dauer Spuren hinterlässt.

 

Wer täglich mit vermeintlicher weiblicher Perfektion konfrontiert wird, fängt an zu vergleichen. Und bei diesem Vergleich mit den künstlich optimierten Wesen der Werbeindustrie kannst du nur verlieren. Was seit vielen Jahren mit Photoshop begann, findet seit kurzem auf den Social Media Kanälen seinen traurigen Höhepunkt. Auf Plattformen wie Instagram, Facebook und Tik Tok steigt der Druck, perfekt auszusehen, so dass kaum ein Influencer sich traut, sein wahres Gesicht zu zeigen. Makellose Schönheit wird verlangt. Und da die kaum jemand mitbringt, wird vor allem auf Instagram mit künstlichen Filtern nachgeholfen. Besonders der Filter „FaceApp“ ist beliebt.

 

Bekannt ist er besonders dafür, mit Hilfe künstliche Intelligenz dein Gesicht mit minimalen Veränderungen erschreckend positiv zu verändern. Erschreckend deshalb, weil das Programm aus Normalo-Gesichtern anziehende, künstliche Schönheiten macht, ohne dass für den Betrachter die Nutzung eines Filters zu erkennen ist.

 

Was absurderweise auch bei den, den Filter nutzenden Influencern, zu Problemen mit der eigenen Körperwahrnehmung führt. Sie verlieren das Gefühl für ihr eigenes realistisches Aussehen, erkennen sich bei klassischen Fotos ohne Filter teilweise nicht wieder, entwickeln eine Sucht, ihre Optik an das durch den Filter vorgegaukelte Aussehen anzupassen. Mit der Folge, dass auf Social Media Plattformen wie Instagram statt echten Körpern und Gesichtern mit ihren kleinen Unebenheiten immer öfter Bilder von künstlich geglätteten Menschen zu sehen sind.

 


Vor allem Minderjährige tun sich schwer damit, dieses perfide Spiel zu durchschauen. Mit dramatischen Folgen. Wenn sich schon Minderjährige über kosmetische Eingriffe wie Brust-Vergrößerungen, Fett absaugen oder eine neue Nase Gedanken machen, um dem auf Social Media gezeigten künstlichen Schönheitsideal zu entsprechen, ist das mehr als schockierend.

 

Der „schöne“ Schein von Social Media ist eine Kunstwelt, die das Ego schwer beschädigen kann. Denn natürlich ist jeder Versuch, dem dort gezeigten, vermeintlich perfekten Schönheitsbild zu entsprechen, zum Scheitern verurteilt.

 

Sich permanent mit anderen zu vergleichen ist Gift für den Selbstwert, führt zu Unzufriedenheit und geringer Selbstachtung. Dabei wäre es wichtig zu erkennen: Es gibt kein besser oder schlechter. Jeder von uns ist auf seine Weise einzigartig. Und das ist wunderbar.

 

 

Wie Body Positivity dich lehrt, die Schönheit deines Körpers wieder wahrzunehmen

 

Aber wie gelingt es, den eigenen Körper zu mögen, sich wohl und aufgehoben in seiner Haut zu fühlen und dieses positive Körpergefühl auch auszustrahlen? Die sogenannte „Body Positivity Bewegung“ will Frauen dabei helfen, Figur und Körper als etwas Einzigartiges wertzuschätzen. Body Positivity heißt, sich mit allen körperlichen Stärken und Schwächen anzunehmen.

 

Statt dem ständigen vergleichenden Blick auf andere und der destruktiven Suche nach körperlichen Mängeln bei sich selbst, gilt es der eigenen Person mehr Selbstliebe und Akzeptanz entgegenzubringen. Gelingt uns das, kann auch endlich mit der anstrengenden Selbstoptimierung Schluss sein.

 

 

Fünf hilfreiche Body-Positivity Ideen, um dich wieder mehr mit deinem Körper zu verbinden:

 

1. Tanzen als Schlüssel zu neuem Selbstbewusstsein

Jeder Körper, egal wie er aussieht, ob groß, oder klein, dick oder dünn, ist wundervoll und selbst in seiner Unvollkommenheit ein wahres Wunderwerk. Er hat es wirklich verdient, dass wir mächtig stolz auf ihn sind und all das wertschätzen, was er für uns tut.

 

Schöner und tiefgründiger als die amerikanische Tänzerin Martha Graham kann man es wohl nicht auf den Punkt bringen, als sie sagte: „Der Körper ist ein heiliges Gewand. Es ist dein erstes und letztes Kleidungsstück. Es ist das, womit du ins Leben eintrittst und womit du das Leben beendest, und es sollte mit Ehre behandelt werden.“

 

Gelingt dir die Selbstliebe zu deinem Körper noch nicht recht, kann vielleicht das Tanzen eine Verbindung von Körper und Seele schaffen. Auch wenn dir das im Moment zu esoterisch klingt, Tanzen kann dazu beitragen, dass du dich im eigenen Körper, vollkommen unabhängig von seinem Aussehen, rundum wohl fühlst.

 

Neben dem Ankurbeln der Fettverbrennung - wer länger tanzt, verbraucht ordentlich Kalorien - werden durch das Tanzen auch jede Menge Glückshormone freigesetzt. Die machen uns zufrieden und ausgeglichen und lassen uns mit unserem Körper sehr schnell ins Reine kommen. Kurz: Tanzen beschwingt und sorgt für ein positives Lebensgefühl, lässt dich frei und sexy fühlen.

 

Das glaubst du nicht? Dann teste es am besten mal aus. Die wunderbare Tanzpädagogin Sandra Wurster, ein wahres Energiebündel, hat gemeinsam mit HAPPY Size, dem Modeportal für große Größen, das Projekt SelbstakzepTANZ ins Leben gerufen. In sechs mitreissenden Tanzvideos speziell für Frauen nimmt sie dich mit auf eine spannende Reise quer durch die unterschiedlichsten Tanzstile.

 

Vom heißen Latinstyle, der die Latina in dir wecken will, bis zum energiegeladenen Dancehall-Choreos von und mit Sandra sind Lebensfreude pur. Daneben ist sie auch eine echte Powerfrau, die nicht nur die Selbstliebe-Plattform „Bauchfrauen“ gegründet hat, sondern parallel dazu den Bestseller „Das Leben ist zu kurz, um den Bauch einzuziehen“ verfasst hat.

 

Sorge, dass du bei so viel geballter Frauenpower mit den Tanz Moves überfordert sein wirst, musst du nicht haben. Alle sechs Lernvideos sind auch von Anfängern zu schaffen. Und wenn es nicht sofort klappt, kein Problem. Hab einfach ein wenig Geduld mit dir, dann werden sich schnell die ersten Erfolge einstellen und du kannst mächtig stolz darauf sein, was dein wunderbarer Körper zu leisten imstande ist.

 

2. Dankbarkeit macht glücklich - Sei dankbar für das was du hast und wer du bist

Der ehemalige US-Präsident Theodor Roosevelt hat es perfekt zusammengefasst: „Deine Einstellung dazu, wer du bist und was du hast, ist eine sehr kleine Sache, die einen sehr großen Unterschied macht“. Oder in anderen Worten: Die glücklichsten Menschen sind die, die Dankbarkeit empfinden können. Die es schaffen, sich auf die positiven Aspekte im Leben zu konzentrieren und dafür dankbar zu sein.

 

Das können auch kleine Dinge sein, wie das freundliche Lächeln eines Unbekannten auf der Straße, oder der schöne Sonnenuntergang am Abend. Rituale wie das Führen eines speziellen Dankbarkeits-Tagebuchs, in dem alle Freude schaffenden, kraftgebenden Momente des Tages festgehalten werden, können helfen, das Leben und sich selbst positiv zu sehen.

 

 

3. Bringst du dir genug Selbstliebe und Wertschätzung entgegen?


Wie respektvoll gehst du eigentlich mit dir um? Wie redest du mit dir selbst, bist du nachsichtig bei Fehlern oder beschimpfst du dich gar lautstark für deine vermeintliche Unfähigkeit. Wenn du dich selbst schlechter behandelst, als einen guten Freund, sollten alle Alarmglocken läuten. Behandelst du dich so abwertend, beschädigt das deine Selbstachtung enorm. Bring dir also genug Selbstliebe und Selbstfürsorge entgegen. Und hab bitte Verständnis und Mitgefühl mit dir, wenn mal was schiefgeht.

 

 

4. Schluss mit dem kritischen Blick in den Spiegel - Konzentriere dich auf deine körperlichen Schokoladenseiten

Anstatt ständig mit starrem Blick auf die vermeintlich nicht so gut gelungenen Körperstellen zu schauen, konzentrier dich doch mal auf deine Schokoladenseiten. Auch wenn jetzt Protest kommt. Jede von uns hat Lieblingsstellen, die sie für besonders gelungen hält, ob das das schöne Dekolletee oder die schmalen Handgelenke sind. Fürs eigene Körperwohlgefühl lohnt es sich, solche Lieblingsspots optisch durch kleine Modetricks oder schönen Schmuck hervorzuheben. Und wer mit der Nähmaschine umgehen kann, kann die seinen Körper perfekt hervorhebende individuelle Mode sogar selbst nähen

 

5. Me-Time - Warum diese Zeit wichtig für deine Selbstfürsorge ist

Me-Time ist Ich-Zeit, also Freizeit, die du dir ganz bewusst für dich, und zwar nur für dich nimmst. Damit ist keine Zeit gemeint, die zwischen Erledigungen mal eben zufällig übrigbleibt. Die du dann notgedrungen und in Eile mit Leben füllen sollst.

 

Me-Time ist bewusst geplante Zeit, die nur dafür da ist, dir gut zu tun, dich zu pampern. Dabei kommt es gar nicht auf die Länge dieser Zeit an. Hast du einen stressigen Alltag, reichen auch kleine Zeitinseln, die du ausschließlich für deine persönlichen Wünsche freihältst. Ob der Yoga-Kurs, das spannende Buch, das du schon immer lesen wolltest, ein Kräuterbad oder 30 Minuten einfach mal nichts zu tun.

 

Alles ist erlaubt, was dir mehr Lebensfreude und Energie gibt. Denn das ist genau der Sinn dieser Auszeit mit dir selbst. Wer mehr bei sich ist, lebt ausgeglichener und wirkt durch diese Selbstfürsorge positiv auf seine Gesundheit ein. Wie wäre es in deiner Me-Time zum Beispiel mit dem Lesen von guten Nachrichten? Schlechte Nachrichten hören wir aktuell genug, sie bedrücken uns, lassen Mundwinkel hängen, graben Sorgenfalten in unser Gesicht und lassen uns um Jahre älter wirken.

 

Ganz anders der Daily Good News Podcast des WDR. Er lenkt den Blick auf die vielen positiven tröstlichen Meldungen aus aller Welt, die viel zu lange neben all den Katastrophenmeldungen der letzten zwei Jahre zurückstehen mussten. Und spätestens beim Hören der News fällt auf, wie sehr man sich nach genau diesen Meldungen gesehnt hat. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht lässt sich so viel einfacher durch den Alltag spazieren.

 

Und wie wichtig positives Denken ist, hat schon Marc Aurel gewusst, als er sagte: „Das Glück im Leben hängt von den guten Gedanken ab, die man hat.“